Ideen entstehen schnell. Sie auszusprechen ist einfach, sie zu verwirklichen hingegen eine ganz andere Herausforderung. Dazu braucht es Engagement, Zeit und natürlich Geld. Entscheidend für den Erfolg sind aber vor allem die Menschen, die hinter einem Projekt stehen.
Wo fängt man an?
Während meines Berufslebens als Ingenieur und Unternehmer habe ich gelernt, Ideen in die Realität umzusetzen. Die Verwirklichung einer Vision beginnt für mich mit einer Strategie – einem Weg, der erfolgversprechend erscheint.
Ein bewährtes Instrument dafür ist ein Phasenplan mit klaren Zwischenzielen und einem groben Zeitrahmen. Er macht sichtbar, was man erreichen möchte, in welcher Reihenfolge die einzelnen Schritte erfolgen sollen und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Unser Plan sieht vor, zunächst ein einzelnes Cottage für zwei Personen auf einer Kalahari-Düne zu bauen. Voraussetzung für den Start ist ein Businessplan, der die wirtschaftliche Machbarkeit bestätigt.
Wenn das neue touristische Angebot vom Markt angenommen wird, sollen zwei weitere Cottages entstehen.
Bewährt sich das Konzept langfristig, folgt der nächste grosse Schritt: Ein Teil des Farmlandes soll in ein Wildlife Reserve umgewandelt werden. In diesem Gebiet befinden sich dann die drei Cottages. Ein Wildschutzzaun wird das Reservat vom weiterhin landwirtschaftlich genutzten Teil der Farm trennen.
Zu Beginn sollen dort typische Wildtiere der Kalahari leben, insbesondere Oryx-Antilopen, Kudus und Springböcke.
Was zeigt uns der Businessplan?
Bei der Übertragung des Phasenplans in konkrete Zahlen stand ein Ziel über allem: Die finanzielle Sicherheit der Familie, die von der Farm lebt, muss während der gesamten Transformation gewährleistet bleiben.
Daraus entstand ein Geschäftsmodell, bei dem die Einnahmen aus dem Tourismus schrittweise steigen, während der Nutztierbestand entsprechend reduziert wird.
Ein vollständiger Ausstieg aus der Viehwirtschaft wäre aus meiner Sicht fahrlässig. Zu gross wäre die Abhängigkeit vom Tourismus. Wie schnell internationale Reiseströme zum Erliegen kommen können, haben wir bereits erlebt.
Der Businessplan berücksichtigt deshalb sowohl die bestehende Landwirtschaft als auch die geplanten touristischen Aktivitäten:
- Lebenshaltungskosten der Familie
- Einnahmen und Betriebskosten der Viehwirtschaft
- Investitionen in die touristische Infrastruktur
- Erwartete Einnahmen und laufende Kosten der Cottages
- Investitionen und jährliche Betriebskosten des Wildlife Reserve
Alle diese Positionen wurden in einem zentralen Finanzmodell zusammengeführt. Damit lässt sich abschätzen, wie sich die wirtschaftliche Situation der Farm während der einzelnen Projektphasen entwickelt.

Das Ergebnis war ermutigend. Selbst mit meinen eher vorsichtigen Annahmen zeigte der Businessplan eine positive wirtschaftliche Perspektive.
Damit war eine wichtige Voraussetzung für die nächsten Schritte erfüllt.
Wie reagiert die Familie?
Im Mai 2025 reiste ich mit den ausgearbeiteten Unterlagen nach Namibia, um die Planung gemeinsam mit der Familie zu besprechen.
Wir gingen den Phasenplan und die finanziellen Annahmen durch, diskutierten verschiedene Möglichkeiten und passten die Planung dort an, wo es notwendig war.
Inzwischen hatte Wynand auch seine Architekturpläne überarbeitet. Die Idee, auf der Farm Unterkünfte für Gäste zu bauen, beschäftigte ihn schon lange. Entsprechende Entwürfe lagen bereits seit einiger Zeit in seiner Schublade.
Auf dieser Grundlage erstellten wir gemeinsam ein detaillierteres Budget für das erste Cottage.
Auch die rechtlichen und administrativen Voraussetzungen für den Bau des Cottages und der Zufahrtsstrasse waren ein Thema. Die Auskünfte vor Ort liessen zunächst keine grösseren Hindernisse erwarten.
Kann man auf einer Düne bauen?
Mein Wunsch, das erste Cottage auf einer Kalahari-Düne zu errichten, klang anfangs etwas exotisch. Schliesslich baut man nicht jeden Tag ein Haus auf Sand.
Andererseits wusste ich, dass die Dünen in dieser Region seit sehr langer Zeit weitgehend an derselben Stelle liegen. Warum sollte es also nicht möglich sein, dort ein kleines Gebäude zu errichten?
Immerhin stehen in Dubai einige der höchsten Gebäude der Welt auf sandigem Untergrund – allerdings mit entsprechend aufwendigen Fundamenten.
Entscheidend ist nicht der Sand an sich, sondern die richtige Bauweise und eine geeignete Fundation.
Durch einen glücklichen Zufall ergab sich die Möglichkeit, ein vergleichbares Bauprojekt in der Nähe zu besichtigen. Wynands Schwiegervater kannte einen Unternehmer, der rund zehn Jahre zuvor eine Villa auf einer Düne gebaut hatte.
Er organisierte für uns einen Besuch. Wir konnten uns die Konstruktion ansehen, Erfahrungen austauschen und viel darüber lernen, worauf beim Bauen auf Sand zu achten ist.
Damit war für uns klar: Ein Cottage auf einer Kalahari-Düne ist grundsätzlich machbar.
Das Projekt nimmt konkrete Formen an
Nach zehn intensiven Tagen mit Gesprächen, Berechnungen, Besichtigungen und gemeinsamen Entscheidungen waren wir mit der Planung so weit, dass wir den nächsten Schritt wagen konnten.
Aus einer Idee war ein konkretes Projekt geworden. Der Phasenplan stand, der Businessplan zeigte eine wirtschaftliche Perspektive und für das erste Cottage lagen Architekturpläne und ein Budget vor.
Die Planungsphase war abgeschlossen. Jetzt konnte die Realisierung beginnen.



